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# 416

Ein Album von dem ich bisher nicht wusste, dass man nicht ohne es leben kann: From The Valley To The Stars, El Perro del Mar.

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# 368

Ein Album von Travis braucht man ja heutzutage auch nicht mehr.

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# 366

Warum ist es eigentlich so, dass die Musik, die man beim U-Bahnfahren aus den Ohrstöpseln der anderen mithören kann, nie Musik ist, die einem selbst auch gefällt?

Aus den Ohrstöpseln der Anderen – der neue Film von Florian Henckel von Donnersmarck!

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# 363

Die Person, die heute morgen in der U-Bahn beim ipodhören mitgeflötet und – peinlich! – mit den Fingern geschnippt hat?

Das wäre dann ich.

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# 361

Wie merkwürdig es wäre, wenn man Musikern wirklich so nah wäre, wie man sich ihnen fühlt.

... I thought „Oh no, I have so much farther to go”. That's true about my life in general and that's where I got the idea for the chorus for this song. We recorded the song in Philadelphia in Denisons bedroom.

Rosie Thomas über „Much Farther To Go”

Ich bin SO KURZ davor, ihr einen Liebesbrief zu schreiben.

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# 346

Es wäre schön, wenn bestimmte Ausdrücke nicht so verbraucht wären wie zum Beispiel „Talking about music is like dancing about architecture”. Dann könnte ich so tun, als hätte ich eben diese Formulierung gestern zum ersten Mal gehört und nicht in jedem Film mit Jude Law den ich je gesehen habe, wobei ich jetzt gar nicht weiß, ob das stimmt, aber es kommt mir vor wie ein Ausdruck den Jude Law oft verwenden würde. Und vielleicht denke ich das wiederum nur, weil ich neulich wieder „Music from another Room” gesehen habe, ein schrecklich kitschiger Film, den mir Jude Law komplett versaut hat seit er mal sagte, er habe nur einen Film nur für die Kohle gedreht: Den. Der Hund!

Jedenfalls hätte ich diesen Ausdruck gerne frisch und neu. Denn leider fehlt mir ein anderer, ähnlich guter, aber eben nicht so abgenudelter Ausdruck, um zu beschreiben was passiert, wenn Menschen die mehr Verstand von Musik haben als ich, meine Musik kommentieren.

Zum Beispiel:

Phil ist zu Besuch. Phil mag gerne Death Metal. Würde er jetzt hier mit mir sitzen, würde er mir bestimmt eine halbe Stunde lang den Unterschied zwischen dem was er gerne hört und was ich für Death Metal halte erklären. Aber er sitzt nicht hier. Und das ist meine Seite. Phil ist also zu Besuch, es ist Oktoberfest, wir sind übelst verkatert, ich lege eine CD von Anna Ternheim ein, so zum Aufwachen. Nach ein paar Minuten:

Phil: Mhm.
Ich: Was denn?
Phil: Mhm. Mhm.
Ich: Die Musik?
Phil: Mhm.
Ich: WAS?
Phil: Na jaaaa...
Ich: Das ist schön. Anna Ternheim. Aus Schweden.
Phil: Aha.
Ich: Aha?
Phil: Ach, es ist nur, ich kenne diesen Typ. Valium-Mädchen. Davon gibt es in Schweden hunderte. Haben sich der Liebe geschlagen gegeben, dennoch hat ihre Stimme etwas Hoffnungsvolles, denn sie hat einen festen Freund in Südfrankreich und der wird alles wieder gut machen.
Ich: !

Jedesmal wenn ich jetzt also Anna Ternheim höre, was ich sehr gerne tue – ich habe die blöde Angewohnheit, ein Lied oder eine CD so lange zu hören, bis ich sie nicht mehr hören kann, ein Zeitpunkt der circa 54 Mal anhören über der Schmerzgrenze aller anderen liegt die mithören müssen, was mal dazu führte, dass ich mit meinem Mitbewohner James einen sinnlos langen Streit darüber hatte, ob es besser ist, immer zuerst das Lied zu hören, das man auf einer CD am liebsten mag, so wie man das Leckerste ja auch immer zuerst vom Teller isst und nicht zuletzt, oder das Lied nur an seinem vorbestimmten Ort auf der CD zu hören, also als Nummer 3, 7 oder 9 (ich war für Methode 1. James nicht) – dann höre ich im Hintergrund Phils Kommentar mit. Einerseits hat er dadurch das Album ein bisschen um seine, ja, Magie beraubt. Andererseits hatte ich ein paar Monate vorher einen Abend lang versucht, Phil die Besonderheit von John Mayer nahe zu bringen. Natürlich nur weil ich wusste, wie furchtbar er John Mayer findet.

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# 339

„Hast du auch das Gefühl, dass er dich die ganze Zeit anguckt?!” sagte J. zu mir, als Thomas Mars uns ganz bestimmt gerade anguckte. Und mehr muss man zu DEM Konzert gar nicht sagen.

Seufz.






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# 328

Mittwoch Abend hatte ich beschlossen, mehr Bilder in meiner neuen Wohnung aufzuhängen. Erstens weil die Wohnung nicht mehr neu ist, man das Fehlen von Bildern an den Wänden also nicht mehr mit „bin gerade erst eingezogen” wegerklären kann, sollte man denn gefragt werden. Zweitens weil „clean” als Wohnkonzept nicht zum Rest meiner Einrichtung passt, die weißen Wände also nicht wie ein Einrichtungselement aussähen, sondern wie weiße Wände.

In der Kiste mit den Bilderrahmen lagen unten ein paar alte Kassetten, alle noch in ihren selbstgebastelten Hüllen. Zwei davon nur mit Liedern von Ani diFranco, auf die mich ein diFranco-fanatischer Klassenkamerad gebracht hatte und von deren Heulen über die Trostlosigkeit New Jerseys ich mich so verstanden fühlte, dass ich sofort in die Trostlosigkeit New Jerseys fliehen wollte (ich denke, wir wussten beiden nicht, dass wir eine Minderheit in Ani diFrancos Fangemeinde darstellten, der Klassenkamerad und ich). Eine mit Jane's Addiction (Alter 16-17: Hang zu heulenden Sängern). Eine, die ich in Boston jeden Morgen auf dem Weg zur Schule hörte, immer ab einer ganz bestimmten Stelle, damit beim Umsteigen von einem in den zweiten Bus „Like A Prayer” von Madonna lief. Und eine, die ich einem Freund aufgenommen hatte, als man so was eben noch machte: Mixtapes, und die ich ihm wohl nie geschickt hatte.

Mixtapes: Zuerst rechnete ich mit einem Bleistift auf einer leeren Seite im Matheheft alle Liedminuten zusammen, damit sie auch ja genau auf die Seite passten und ich nicht mitten im Lied die Kassette wenden musste und damit wichtige Sekunden des Liedes verloren gehen würden. Dann legte ich mich auf den Bauch vor die Stereoanlage, Zeigefinger auf der Play/Record-Taste, um den Moment nicht zu verpassen, in dem der Radiomoderator das Lied spielte, das noch fehlte, CDs konnte ich mir nicht leisten. Immer kurz bevor mein Arm einschlief, kam endlich das Lied, ich drückte Record, legte den Finger sofort auf die Stopp-Taste, um wiederum nicht genau den Moment zu verpassen, in dem der Moderator das Lied runter- und das nächste hochfuhr. Aber immer war ich ein bisschen zu spät dran, dann hörte man auf der Kassette noch die ersten Takte des nächsten Liedes, eines, das ich gar nicht dabei haben wollte, das potenziell peinlich sein könnte. Oder ich drückte zu früh Stopp und das Lied wurde gekappt wie ein Satz bevor man ihn zuende gesprochen hat. Manchmal kam mitten im Lied auch – Albtraum! – eine Verkehrswarnung. Und alles ging von vorne los. Ich lag immer noch vor der Stereoanlage. Drehte mich auf den Rücken, legte ein Kissen unter meinen Kopf und rauchte.

Dort zu liegen und auf das eine Lied zu warten war fast schöner, als das fertige Tape zu verschenken. (Mein letztes Mixtape habe ich letzten Winter gemacht. Es war geschummelt: Lieder von iTunes auf CD gezogen, CD eingelegt, Kassette rein, 90 Minuten später Kassette rausgenommen, eingetütet, verschickt. Blöd.)

Ich habe mir an dem Abend die alten Kassetten angehört. Dem Knistern im Hintergrund gelauscht. Geräusche von vor 12 Jahren. Bei der Kassette, die mir mein erster Freund gemacht hat, wusste ich plötzlich wieder, dass ich ihn immer anbettelte, mich seinen St.-Pauli-Pullover tragen zu lassen. Dass ich, wenn ich ihn in Hamburg besuchte, immer zu Hause anrief: Wird später, Mama. Daniel. Der für mich immer noch seine Haare hinter die Ohren schiebt und ein Poster von Nirvana über seinem Bett hängen hat.

Daniel – „Smells Like Teen Spirit”, Nirvana
Ich war von seiner Schwester zu einer Party eingeladen worden. Und fand's zu cool, als er und sein bester Freund als einzige zu diesem Lied tanzten. Moschten! So, als würden sie im Video mitspielen.

Rasmus – „Nothing Else Matters”, Metallica
Von Rasmus bekam ich meinen ersten Kuss. Mit Schlag. Mit 15 war ich viel zu spät dran für den ersten, deshalb erzählte ich niemandem, dass er mein erster war. Rasmus schon gar nicht. Das letzte Lied das in der lächerlichen Disko (Kellerraum, mit Batiktüchern abgehängte Lampen, spakige Sofas in der Ecke) in unserem Feriencamp gespielt wurde, war immer ein langsames. Ungeschickter Junge fragte Mädchen, legte Mädchen die Arme um die Hüften, sie ihre Hände in seinen Nacken, und wiegten sich in eiernden Kreisen zur Musik, immer gegen den Takt. Rasmus fragte mich. Mitten im Lied küsste er mich. Und irgendwie wusste ich, wie man zurückküsst. Er war so gebräunt wie man es nur ist, wenn man das ganze Jahr über in der Sonne lebt – seine Haut hatte die Farbe von frisch gebackenem Weißbrot. Er roch gut. Nicht nach irgendwas, nur nach sich selbst. Nach Gras und alter Wolle. Seit ihm gucke ich bei Männern als zweites darauf, ob sie schöne Unterarme haben.

Christian – Die Erkennungsmelodie zu „Seinfeld”, seiner Lieblingsserie
Nach Rasmus der zweite Amerikaner und der Anfang einer bislang anhaltenden Neigung zu Jungs aus dem Mittleren Westen bis Westen mit schlauen Augen, störrischen Haaren und Sportsocken.

Til – „Ready or Not”, The Fugees
Eine unerwiderte Liebe. Die in einem Zeitfenster von fünf Minuten in der 9. Klasse zu einer erwiderten hätte werden können. Aber was kümmern einen mit 15 schon Zeitfenster. Er hatte blaue Haare. Und manchmal auch pinke. Was durch den Gegensatz zu seinem aristokratischen Gesicht nur noch hübscher war. Als mir einer seiner Kumpel erzählte, dass Til bei „Ready or Not” wegen „der geilen rhymes” fast geweint hatte, hörte ich wochenlang nichts anderes (Und suchte nach dem bewegenden Moment in Zeilen wie „If I could rule the world / Everyone would have a gun in the ghetto of course”)

Tobin – „Erase/Rewind”, The Cardigans
Mein Lieblingslied damals. Und hätte ich gewusst, wie gut der Titel unsere eher unglückliche Beziehung beschreibt, hätte ich mir unsere eher unglückliche Beziehung vielleicht erspart.

Nee, hätte ich natürlich nicht.

Wir fuhren von einer Hausparty in seinem weißen Jetta zu einem Liquor Store. Dabei war er schon betrunken. Und fielen irgendwann Nachts, als ich auch betrunken war, auf die auf ein Bett geworfenen Jacken und Mäntel. Am Morgen stand ich auf und zog mir: Höschen, BH und Stiefel an und verkündete, dass ich so nun zu Dunkin' Donuts gehen und Kaffee holen würde. Als er mir zuerst glaubte und dann lachte und von irgendwo her Licht in sein lachendes Gesicht fiel, das war der beste Moment mit ihm.

Paul – „Sail Away”, David Gray
Wir standen ganz vorne als das Licht ausging, die Leute pfiffen und klatschten, auf der Bühne eine Leinwand runtersurrte und David Gray, allein am Klavier, vor dem Hintergrund der grauen See vor Brighton „Sail away with me honey / I put my heart in your hands / Sail away with me honey now, now, now / Sail away with me / What will be will be / I wanna hold you now” sang, Paul hinter mir stand, sein Kinn auf meine Schulter gelegt, mein Rücken an seiner Brust.

Arno – „Needle in the Hay”, Elliott Smith
Irgendwann mal nach dem Sex, legte er eine alte Kassette von Elliott Smith ein. Ich lag auf seiner Matratze auf dem Boden und guckte durch die dünnen Vorhänge in den Februarhimmel über Berlin. Als ich zurück nach Hamburg fuhr schenkte er mir das Tape. Ich wusste, wir waren nicht füreinander bestimmt als er mir ein paar Wochen später sagte, er habe mir die Kassette nur gegeben, weil er sie selbst nicht mehr wollte.

Rotsch – „Island in the sun”, Weezer
Er kam mich besuchen und aus meiner lächerlichen Anlage schwappte dieses Südseesonnige Liedchen, das er bei mir zum ersten Mal hörte, glaube ich, und wenn nicht, bin ich trotzdem froh, dass er es mich glauben ließ. Er konnte gar nicht damit aufhören, dieses Lied zu spielen und tanzte dazu immer lustig durch mein Zimmer, wie ein kleiner Junge. Seinen Koffer hatte er ganz weit in die Ecke geschoben – er wollte nicht zu viel Platz wegnehmen. Monate danach rief er mich aus dem Pauli-Stadion an sagte: Hör mal. Die spielen unser Lied. Da war ich versöhnt.

M. – „Fresh Feeling”, Eels
3:37 Minuten Möglichkeit. Etwas schöneres kann einem kein Lied versprechen.

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# 322

... Take another look at me baby / Today I'm taking on catastrophe / I'd rather take it easy / Than try to force what's on its way to me

And when I set it free like a feather it will be / And when I rise to see it done like whatever it will be it will be...
Nikka Costa, „Like a feather”

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# 316

Ich weiß ja auch nicht, aber womöglich liegt es daran, dass ich als Teenager (oder muss man seit dem letzten Spiegeltitel Jugendlicher sagen?) kein Fan einer Boyband (Jungsgruppe?) war, nicht von New Kids on the Block, da war ich noch zu jung, nicht von Take That, da fühlte ich mich schon zu alt für sowas, dass ich jetzt, mit zehn Jahren Verzögerung, eine Boyband so sehr liebe. Phoenix. Phoenix sind mein Tokio Hotel. Wie sagt man noch gleich auf Französisch: „Ich will ein Kind von dir”?







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